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"schubladisiert is glei amoi"

Aktualisiert: 30. Jan 2019

Schon komisch dass Frau oft gar nicht weiß, wie sie unten rum so aussieht...




Im kraftvollen, aber unaufdringlichen Werk „schubladisiert is glei amoi!“ setzt Jacqueline Korber den weiblichen Körper ins Zentrum der Aufmerksamkeit – und das mit einer klaren Botschaft an uns!

Eine Kommode. Drei Schubladen. Zehn Frauen.

„Frauen werden auf ihre Körperlichkeit und ihr Äußeres reduziert, oft auf Brüste und Vulva“, erklärt die Künstlerin.

Insgesamt waren zehn Frauen bereit für dieses künstlerische Werk einen Abdruck von ihrer Vulva, ihren Brüsten, oder des Oberkörpers machen zu lassen. Nur drei von ihnen, erzählt die Künstlerin, haben ihre eigene Vulva als Gipspositiv in der Ausstellung wiedererkannt. Für Korber ein Beweis dafür, dass „jede Lady öfter den Spiegel zur Hand nehmen und ihre Vulva betrachten sollte.“


"Diese Vielfalt ist einfach nur schön anzuschauen. Sie sind wie Fingerabrücke."




Sexistisches Schubladendenken

„Jacqueline, warum hast du nicht die Telefonnummern dazugeschrieben?“, fragte ein männlicher Ausstellungsbesucher witzelnd die Künstlerin. Eine Frage die das offenbart, was Korber u.a. zu thematisieren versucht – Frau* wird auf ihr Geschlecht reduziert und zum Objekt degradiert. In der Ausstellung „geht es nicht um die Frau in der Opferrolle, oder um mangelnde Gleichberechtigung oder überhaupt um Gleichberechtigung – es geht ums Mensch sein.“1

Ein weiterer Ausstellungsbesucher stellte den Vergleich zwischen den ausgestellten Gipspositiven der weiblichen Vulven mit einer Jagdstrecke2 auf. Eine Verknüpfung die häufiger

1 Vgl. DAVID, Jasmin Maria, Pressetext zur Ausstellung „DIE EINE SIE IST“, 2016 2 Bei einer Jagdstrecke werden alle Lebewesen, die während der zuvor stattgefundenen (Gesellschafts-) Jagd verfolgt und getötet wurden, in einer Reihe aufgelegt und traditionell mit Zweigen belegt. Die Zweige werden zuvor mit dem Blut des Tieres versehen und anschließend trägt der Jäger, der das Tier erschossen hat den blutigen Zweig an seinem Hut.

auftritt: „Tiere und Frauen verbindet, dass sie im ‚unendlichen Jagdgebiet‘ des Mannes auch ganz konkret als Beute und Opfer auftreten. So lassen sich vielfältige Verbindungen zwischen Frauen und (gejagten) Tieren oder zerlegten Tierkörpern nachweisen, die sich vom Bedeutungsfeld der Jagd über das Ritual des Fleischessens und die Pornografie bis hinein in Gewaltdarstellungen und Gewalthandlungen erstrecken.“3


Auch in einer „sexistischen Alltagssprache“4 finden sich Analogien, beispielsweise wenn von „Schnalle“ oder „Luder“ als abwertende Bezeichnung für eine Frau gesprochen wird. Beide Begriffe stammen aus dem Jagdjargon: „Schnalle“ = Das äußere Geschlechtsteil beim weiblichen Haarraubwild und beim Hund.5 “Luder” = Jedes tote Tier, mit dem man Raubwild und Raubzeug anlocken möchte.6

Die Kommentare der beiden männlichen Besucher zeigen: Korbers Werk bewegt sich an der unscharfen Grenze zwischen Loslösung und Reproduktion von Reduktion.



Aufgreifen, sichtbar machen, verändern


Korber wiederholt die Reduktion, die sich als gesellschaftliches Phänomen im Denken über die Frau* manifestiert, indem sie die Verringerung der Frau* auf das Geschlechtsteil in Gipspositiven vergegenständlicht. Eine unsichtbare Denkform wird demonstrativ sichtbar gemacht und so ein emanzipativer Akt vollzogen.

Die Künstlerin entzieht den RezipientInnen die Möglichkeit die Schublade mit den Vulven zu schließen. Die dauerhafte Präsentation verdeutlicht die Allgegenwärtigkeit von normativen Geschlechteridentitäten und Vergeschlechtlichungsprozessen und kann als Aufforderung zur Auseinandersetzung verstanden werden.

Als Metapher für Kategorisierung, Zuschreibung und Codierung verstanden, steht die nicht- schließbare Schublade gegen jede endgültige Einordnung innerhalb eines bestehenden, begrenzenden Denksystems.

„Es gibt so viele Teile und Teilchen in mir und meinem Sein, dass es ausgeschlossen ist nur ‚typisch weibliches‘ leben zu können oder auch zu wollen. Stereotyp weiblich – ich würd mich doch nur selbst betrügen. Ich bin Ich, in und mit all meinen Facetten und Farben“, erklärt Korber.

Die Künstlerin plädiert für eine Weiblichkeit, die sich nicht nur von Vergleichen mit dem Männlichen emanzipiert, sondern auch darauf verweist, dass es DIE EINE Weiblichkeit nicht gibt.



Geniales Genital – Let’s talk about ...?

In der Auseinandersetzung ist mir aufgefallen, dass es für das weibliche Genital wenig geläufige Bezeichnungen gibt, die nicht derb, vulgär oder aus anderen Gründen unbrauchbar sind. Warum ist das nur so?

3 MÜTHERICH, Birgit, Tierrechte: Sie sind die anderen, http://www.emma.de/artikel/tierrechte-sie-sind-die-anderen-263624 4 MÜTHERICH, Birgit, Tierrechte: Sie sind die anderen, http://www.emma.de/artikel/tierrechte-sie-sind-die-anderen-263624 5 MÜTHERICH, Birgit, Tierrechte: Sie sind die anderen, http://www.emma.de/artikel/tierrechte-sie-sind-die-anderen-263624 6 MÜTHERICH, Birgit, Tierrechte: Sie sind die anderen, http://www.emma.de/artikel/tierrechte-sie-sind-die-anderen-263624

11 Ansichten

© Jacqueline Korber

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